Theater Kritik

Träumst du noch oder schläfst du schon?

Steiermark | Maria Motter | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Das Dasein als Droll ist auch nicht mehr das, was es zu Shakespeares Zeiten war. Puck muss sich für Regisseur C.C. Weinberger im Next Liberty mit Umhängen schmücken und in "Ein Sommernachtstraum“ Elvis, Batman oder Superman geben. Der Zauberwald ist gerodet und eine Baustelle, zauberhafter Tau scheint in Zeiten isotonischer Getränke niemanden mehr zu beeindrucken.

Weinberger legt die Liebeswirrungen, so lässt sich anhand eines Probenbesuch prognostizieren, von Hermia (Lisa Schrammel), Lysander (Felix Rank), Helena (Caroline Mercedes Hochfelner) und Demetrius (Martin Niederbrunner) in der Gegenwart an und setzt vor allem auf teils vermeintliche Augenhöhe mit dem jugendlichen Publikum. Szenenweise kippt das Vorhaben in Anbiederung, der Bühnenklassiker schrumpft zum Soap-Format und verliert viel von seiner schwärmerischen Kraft. Wollte man nicht auch träumen dürfen? Ja, doch nur kurz, denn: They love to entertain you! Das wollte schließlich auch William Shakespeare.

In sich ist die Produktion stimmig: Titania ist ein Lady-Gaga-Double, von Kopf bis zum Hufschuh à la Alexander McQueen, und Theseus wird als Baumeister in Begleitung einer Hippolyta-Lolita vor dem Partyzelt präsentiert. Eine ironische Brechung vermisst man.

Die Inhaltsangabe von "Ein Sommernachtstraum“ ist für sich alleine genommen schon ein ziemlicher Textbrocken, darum hat Weinberger das Personal reduziert, das Drama auf eineinhalb Stunden gekürzt und stellenweise mit gelungenen Pointen modernisiert. Ohne Lektüre des Reclam-Heftchens mit Schlegels Übersetzung bleibt man im Zauberwald zu Beginn dennoch verloren zurück, maßlos schnell tragen die Schauspielerinnen ihre Verse vor. Und warum Lady Gaga auf dem Mann mit der Schweinchenmaske sitzt, muss ohne gemachte Hausübungen die Fantasie klären.

Next Liberty, Fr 19.00 (Premiere); Mi 10.30


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