Kunst Kritik

Lückenbüßer im Museum ohne Wände

Steiermark | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Zur Füllung der Lücke, die durch die Verschiebung einer Monica Bonvicini gewidmeten Personale im Ausstellungsprogramm entstanden war, hat sich Peter Pakesch in der Skulpturensammlung des Mumok bedient. Dabei ist "Anti/Form“ herausgekommen: Eine Ausstellung, die aus den letzten 50 Jahren, die der Begriff des Skulpturalen hinter sich hat, schöpft und sich auf die Widerständigkeiten konzentriert, die dem Thema angediehen sind.

So eröffnet John Chamberlains Trixie Dee (1963) als ironische Fußnote zur Nachwirkung futuristischen Größenwahns eine Schau, die ins Kunsthaus nicht nur deshalb gut passt, weil dieses selbst dem antiformalistischen Geist von Archigram entsprungen ist, sondern auch deshalb, weil, wie Mumok-Direktorin Karola Kraus anmerkt, Skulpturen in einem stellwandfreien Raum besser kommen. Das stimmt nicht in jedem Fall. Sicher nicht für Robert Morris’ ohne Titel dafür in erotischer Faltung von der Wand hängende Filz-Bahn von 1974. Und auch nicht für Carl Andres "20 Cedar Slants 20°“ (1990), deren räumliches Verhältnis zur nächstliegenden Wand gar im Titel festgeschrieben ist. Und auch abseits der einzigen doch aufgestellten Stellwand darf man sich fragen, ob etwa Michael Kienzers Teppichrolle ohne Titel (1991) oder Jessica Stockholders "Garden Seat“ (1997) sich nicht lieber an den biederen Vorgaben eines weißgetünchten Innenraums reiben würden.

So aber lässt sich die Geschichte weit besser überblicken. So kann man schweifen zwischen Sol LeWitts und Heimo Zobernigs Annäherungen an die Idealform und Mike Kelleys "Lumpenprole“ (1991), die ein ähnliches Bemühen offensichtlich bereits aufgegeben hat. Heraus kommt ein letztlich gar nicht so imaginäres Museum, Marke André Malraux.

Kunsthaus, bis 15. 5.


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