Minoriten: Doku einer kritischen Umbruchphase

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Norbert Trummer wagt Geschichtsschreibung per Buntstift

Im Herbst 2009 siedelte das Kulturzentrum bei den Minoriten in seine neuen Räume im Minoritenkloster - wobei es sich um viel mehr als nur einen Umzug handelte. Es war eine "Umbruchsituation, die durchaus kritisch war", sagt Leiter Johannes Rauchenberger, mit dem "unsichtbaren Griff im Nacken, der seine Umklammerungskraft aus der Feststellung zog, dass die Zeiten sich geändert hätten, im ökonomischen Vorwärtsdenken wie gleichermaßen im ideologischen Rückwärtsdenken".

Für diese heikle Zeit holte das Kulturzentrum keinen Fotografen, postete nicht auf Facebook - sondern holte den in Wien lebenden, aus Leibnitz stammenden Künstler Norbert trummer: Der erforscht Städte, Straßen und Gebäude mit Zeichenblock und Buntstift. Entstanden sind zwölf Zeichnungen, deren Motive entweder äußerst kurzlebig waren - weil sie zwei Stunden später schon nicht mehr existierten - oder aber sehr langlebig sind wie die Putti im Stiegenaufgang.

Die entstandene Dokumentation nennt sich "Standortwechsel" und thematisiert Verlust und Halbwertszeiten, Prioritäten und Schweigen. Im begleitenden Buch schreibt Rauchenberger: "Auf diesem Weg zurück" - in die Langsamkeit des Zeichnens - "werden ... Geister frei, mit denen die virtuellen von heute nicht konkurrieren können".

Kulturzentrum bei den Minoriten, Mi 19.00 (Vernissage); bis 25. 3.


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