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Bücher, kurz besprochen

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Achtung vor Udo Proksch

Seit letztes Jahr der auf seiner Lebensgeschichte basierende Film "Out of Control“ ins Kino kam, gilt Udo Proksch wieder mehr als genialer Menschenfänger, Künstler und Wiener Wunderwuzzi denn als wegen Versicherungsbetruges und Mordes verurteilter Verbrecher. Demnächst erscheint ein neues Buch über den Mann, der das Schiff Lucona versenkte, gespeist aus seinem Nachlass, geschrieben von der ORF-Journalistin Ingrid Thurnher. Im ORF wird dazu "Out of Control“ noch einmal gezeigt werden, jene Dokumentation, in der fast ausschließlich seine Freunde zu Wort kommen. Das Geschäft mir der Mythologisierung läuft gut.

In der aktuellen Ausgabe der deutschen Zeitschrift Mare findet sich dazu ein äußerst lesenswerter Artikel. Autor Gerhard Waldherr hat sich noch einmal mit Zeitzeugen getroffen. Er hinterfragt die Rolle des Richters Hans-Christian Leiningen-Westerburg, er zeichnet Ungereimtheiten in der Verteidigung nach - und er beschreibt mit dem scharfen Blick des nicht eingewienerten Deutschen, wie Proksch in der "Wiener Kulturschickeria wieder als kreativer Tausendsassa gefeiert wird“. Damit hält er den Jüngern des ehemaligen Club-45-Chefs einen schönen Spiegel vor. Was beim Untergang der Lucona tatsächlich passierte, darüber maßt auch Waldherr sich kein Urteil an. "Auf jeden Fall ist die Geschichte verrückt, unglaublich. So etwas hätte sich niemand ausdenken können.“

Mare. Die Zeitschrift der Meere, Nr. 84 Februar/März 2011, 130 S., € 9,50


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