Enthusiasmuskolumne  

Bob Dylan sagt, sie ist die Königin

Diesmal: Die leiwandste Rockoma der Welt der Woche

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Man könnte sich an dieser Stelle als Fan tarnen. Oder zumindest mit angelesenem Wikipedia-Halbwissen einen auf kenntnisreich machen. Aber was soll’s, ich hatte bis vor kurzem keine Ahnung, wer Wanda Jackson ist. Dadurch trat sie aber nur umso wirksamer in mein Leben. Und das noch nicht einmal durch ihre Musik, sondern durch ein ebenso charmantes wie kurzweiliges Interview, das sie Samir H. Köck für die Sonntags-Presse gegeben hat.

Dort erzählte sie von ihren Anfängen als Rockabilly-Sängerin in den prüden USA der ausgehenden 50er-Jahre; davon, wie sie die Fransenmode in die Countrymusik brachte, wie sie deutsche Schlager sang, ohne den Inhalt der Texte zu kennen, und sie sprach über ihre Freundschaft zu Elvis Presley. Gut geküsst habe er, sagt sie, aber dann sei einer gekommen, der küsste noch besser. "Mit dem bin ich bis zum heutigen Tag verheiratet.“

Von Jack White, der männlichen Hälfte des soeben aufgelösten Duos The White Stripes, schwärmt Wanda Jackson natürlich auch, schließlich hat der rastlose Rock-Beau ihr neues Album "The Party Ain’t Over“ produziert. Ein passender Titel, holt es die mittlerweile nicht mehr ganz so junge Sängerin doch mit Pauken und Trompeten aus der gepflegten Leisetreterzone im Rock-’n’-Roll-Altersheim zurück auf die Showbühne.

Unglaublich, wie verführerisch und schmissig es hier bisweilen zur Sache geht, und herrlich, wie Oma Wanda ihre künstlerische Enkeltochter Amy Winehouse via Coverversion plötzlich alt aussehen lässt. "An atomic bomb in lipstick“, schwärmt Bob Dylan über Mrs. Jackson und feiert sie als "Queen of Rockabilly“.

Dylan mag ein kauziger Vogel sein, aber wo er Recht hat, hat er Recht. Und das Beste kommt erst: Am 17.2. gibt Wanda Jackson ein Konzert im Wiener Theater Akzent. Mit dieser Platte in der Hinterhand könnte das auch ohne Jack Whites Hilfe weit mehr als ein reiner Rock-’n’-Roll-Nostalgieabend werden.


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