Fremd ist sie eingezogen, fremd zieht sie wieder aus

Feuilleton | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Die ganze Autorin in einem Stück: In München wurde Elfriede Jelineks Schubert-Überschreibung "Winterreise“ uraufgeführt

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek

Das Theater der Elfriede Jelinek ist sehr privat. Die verhandelten Themen sind zwar aus den Medien bekannt. Aber egal, worüber diese Autorin schreibt, es kommt jedes Mal ein Stück Jelinek dabei heraus. Und egal, welche Masken sie den Texten anlegt, es spricht immer auch ganz unverkennbar Jelinek aus ihnen.

Ihren neuen Theatertext "Winterreise“, der vorige Woche an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wurde, kann man als eine Art Modellstück bezeichnen. Alle wesentlichen Elemente des Jelinektheaters sind hier auf kompakte Weise versammelt.

Als Bezugsrahmen oder Folie für ihre Texte benutzt Jelinek gern übergroße Werke von Dichtern und Denkern; deutsche Philosophen etwa oder griechische Tragödien. Diesmal hat sie an Franz Schuberts und Wilhelm Müllers lebensmüdem Liederzyklus "Winterreise“ entlanggeschrieben. Die acht


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