Nüchtern betrachtet

Kein Forst in Süd-, kein Trost in Nordtirol

Feuilleton | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Ich war übler Laune gewesen. Dabei hatte ich schon vor dem Brenner mit dem Biertrinken begonnen. Mit dem Trinken soll man nicht so lange zuwarten, bis man schlecht drauf ist, denn das kann die Übellaunigkeit durchaus verstärken, weswegen gilt: "Sonnenschein und Bier - das rat ich Dir.“ Leider reimt das mit Regen genauso gut, weswegen man vielleicht auf das einleuchtende mnemotechnische Bonmot zurückgreifen mag, demzufolge das Helle mit einem Hellen zu feiern sei, weswegen ich mir also bei prächtigstem Sonnenschein im Bozener Bahnhofsbistro eine Flasche Bier gekauft habe. Zu beklagen ist freilich, dass man dort nicht das lokale Forst, sondern ein transkontinentales Industriebier feilbietet.

Die Geringschätzung des Regionalen und Dialektalen ist leider eine weit verbreitete Unsitte und unfehlbares Symptom eines Provinzialismus, der in seiner undialektischen Negation umso verlässlicher weiterwest.


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