Prost!  

Total retro, aber gut: Päppelsaft mit Kopftuchmädchen

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Rotbäckchen Kindersaft

Stadtleben | aus FALTER 06/11 vom 09.02.2011

Vom Schicksal begünstigt sind jene, die morgens Kraft und Nerven haben, Saft aus frischem Obst zu fabrizieren. Für diese munteren Menschen sind diese Zeilen nicht geschrieben. Hier sollen die morgendlichen Blutleeren angesprochen werden, welche allen Widrigkeiten zum Trotz auf ihre Gesundheit achten möchten. Die letzten Ausläufer der Eiseskälte müssen noch überstanden werden, dann wird’s eh schon wieder besser. Wer nun also auf der Suche nach immunsystemstärkenden Vitaminbomben zähneklappernd durch die endlosen Supermarktgänge streift, der könnte auf den altehrwürdigen Rotbäckchen Kindersaft aufmerksam werden. Die unverbindliche Preisempfehlung ist beträchtlich und die schwere Einwegglasflasche mit dem blau bekopftuchten Retro-Kind auf dem Etikett hat den weiten Weg vom deutschen Unkel (!)hinter sich.

Die Rezeptur dieses Safts stammt aus einer Zeit, in der die Leitidee des Unternehmens Haus Rabenhorst eng an die mütterliche Sorge um die Gesundheit der blassen Nachkommenschaft gekoppelt war. Wir schreiben das Gründungsjahr 1952, der Krieg sitzt noch tief in den (rachitischen) Knochen. Hinter der "Magischen Formel“ verbirgt sich ein aus verschiedenen Früchten zusammengesetzter Direktsaft, der einen hohen Calcium-, Zink-, Eisen- und Vitamingehalt verspricht. Gut für Klappergestelle, Nervenkostüme und im Aufbau begriffene Muskelprotze. Das Marketing setzt auf ein konservatives Familienbild, der Saft schmeckt trotzdem gut. Die Kälte wird bald vorüber sein. ms


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