Kritik

Im Reich der tanzenden Geometrien

Lexikon | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

Nicht genug damit, dass er im Mumok Anfang März eine eigene große Personale eröffnet, hat der Künstler Florian Pumhösl im Vorfeld auch noch mitgeholfen, die Schausammlung des Museums neu zu gestalten. "Abstrakter Raum - Formationen der Klassischen Moderne“ nennt sich die gemeinsam mit Kurator Matthias Michalka konzipierte Auswahl, in der nicht wenige Idole des Künstlers hängen. Zum Beispiel ist der Dadaist Hans Richter vertreten, dessen auf schwarzen Stoff gemalte Komposition "Fuge in Rot und Grün“ rhythmisierte Geometrie auf ein asiatisch anmutendes Rollenbild bringt. In der Vergangenheit hat Pumhösl eine Serie von Hinterglasmalereien produziert - eine Idee, die auch auf die Glasbilder des Konstruktivisten Walter Dexel aus den 20er-Jahren zurückgeht.

Viel Basisarbeit für die Präsentation lieferte bereits die Mumok-Schau "Laboratorium Moderne“ 2007, bei der nur museumseigene Werke zu sehen waren. Ergänzt durch Leihgaben unterteilt sich die jetzige Schau in neun Bereiche, die die gezeigten Werke kontextualisieren, weniger bekannte Verbindungen sichtbar machen und abstrakten Raum mit Schwerpunkten wie "Tanz“, "Theater“ oder "Grafikdesign“ anschaulicher machen. Im Zentrum der Ausstellung stehen folglich auch historische Kunstmagazine und Künstlerpublikationen, die allein durch ihre Gestaltung bestechen, etwa die reduzierte Strenge der russischen Konstruktivisten oder Francis Picabias satirische Zeichnungen für Litterature. Wie die Abstraktion die Raumkonzeptionen des Theaters durchdrang, machen eine Reihe von historischen Bühnenmodellen deutlich sowie genaue Zeichnungen einer revolutionär als Raumapparat entworfenen Drehbühne, die Laszlo Moholy-Nagy für den Regisseur Erwin Piscator erdachte. nS

Mumok, bis 29.5.


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