Vernissage

Ein Lob auf Differenz und Wiederholung

Lexikon | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

Rio de Janeiro wurde einmal als Freilichtmuseum der Werke von Carlos Burle Marx bezeichnet, denn der Landschaftsarchitekt und Maler (1909-1994) hat die berühmte Strandpromenade der Copacabana ebenso gestaltet wie zahlreiche Grünanlagen der Stadt. In ihrer kommenden Ausstellung "Past Present - Close and Distant“ in der Secession kündigt Inés Lombardi eine Beschäftigung mit zwei Gärten ihres Landsmannes an. Die spannenden Ausformungen der brasilianischen Moderne bieten der 1958 in São Paulo geborenen, in Wien lebenden Künstlerin Anknüpfungspunkte in der Frage, wie die Konstruktion der eigenen Identität über die Verinnerlichung des Fremden funktionieren kann. Dabei geht es ihr um künstlerische Selbstentwürfe wie um nationale Identitäten. Als zweite Quelle für ihre Fotos, Videos und Installationen dienen Expeditionen des 19. Jahrhunderts und der romantische Naturalismus jener Epoche.

Im Vorjahr noch in der Gruppenschau der Jungen Szene bekommt Christoph Meier heuer schon eine Personale in der Secession. Zu seiner Herangehensweise meint der 30-jährige Künstler: "Etwas zu kopieren, mit sich selbst zu vermengen, zu verdoppeln, ist eine sehr naheliegende, hilfreiche Methode, um ein Objekt zu verändern.“ Die aktuelle Schau setzt Verfahren der Wiederholung und Verdopplung ein, wobei auch eine echte Kopiermaschine zum Einsatz kommt. Existenziell aufgeladener erscheint hingegen Alfons Eggers Rauminstallation im Kaminraum der Künstlervereinigung: Riesige Lettern bitten dort "Mama hilf mir“, eine Aufforderung, deren Zusammenhang der Künstler vollkommen offen lässt. Egger, Jahrgang 1952, könnte damit auf die Verwendung des Secession als Lazarett ebenso anspielen wie auf die eigene Biografie, die in seiner Kunst immer wieder durchschimmert. NS

Secession, Do 19.00; bis 15.5.


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