Neu im Kino

Geschäftiges Roadmovie: "Black Brown White“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

Eingeführt wird Don Pedro als ein Mann der Tat: In den ersten Minuten von Erwin Wagenhofers "Black Brown White“ richtet der Fernfahrer (Fritz Karl) seinen Lastwagen her, macht Kaffee, sammelt Frischwäsche ein und wechselt Glühbirnen für Geschäftspartner Jimmy (Karl Markovics), der im Rollstuhl die Schreibtischarbeit macht. Dann geht die nächste Fahrt los: Knoblauch muss zum Umetikettieren nach Marokko gebracht werden, als Zusatzgeschäft werden Flüchtlinge nach Europa geschmuggelt. Richtig ereignisreich wird Don Pedros Arbeitsalltag, als sich die junge Mutter Jackie (Clare-Hope Ashitey) weigert, sich mit ihrem Sohn ins enge Anhängerversteck zu den anderen blinden Passagieren zu zwängen. Von da an wird die Tour zum riskanten Parcours vorbei an Grenzern und misstrauischen Polizisten.

"Black Brown White“ ist ein geschäftiger Film, und das ist seine Stärke. Solange Wagenhofer, der mit den Dokus "We Feed the World“ und "Let’s Make Money“ bekannt wurde, seine Erzählung und die darin verklammerten Themen auf behände Handgriffe und Entscheidungen unter Druck verdichtet, funktioniert sein erster Langspielfilm souverän. An die lakonische Präzision von Martin Gschlachts raumgreifenden Bildern kommen die Dialoge aber nicht heran. "Du redest nicht wie ein Truckdriver“, befindet Jackie angesichts Don Pedros untypisch gewählter Ausdrucksweise. Das Problem ist aber ein anderes: Wenn Fritz Karl den Irrsinn der europäischen Wohlstandsgesellschaft kommentiert, dann klingt er auch nicht wie der Arztsohn, den er spielt, sondern eher wie eine Handpuppe seines Regisseurs.

Ab Fr in den Kinos (Premiere: Do, 17.2., 20.00 im Votiv)


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