Meinesgleichen

"Social Media“ und die Revolutionen im Nahen Osten

Falter & Meinung | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

Die Massen haben in Ägypten den Diktator beseitigt, mit modernen Kommunikationsmitteln und mit ihrer physischen, Präsenz. Selbst wie aus dem Mittelalter auftauchende Schläger auf Pferden und Kamelen konnten sie nicht aufhalten; das Militär verhielt sich neutral. Dass das Internet die Rolle des Katalysators spielte, dürfte unverkennbar sein. Hat es den ganzen Nahen Osten verändert, oder besteht der Unterschied zwischen ägyptischem Unmut und österreichischem Gleichmut im Angesicht von Unrecht einfach darin, dass wir satt und zufrieden sind, die Ägypter und Tunesier aber nicht? Und welche Rolle haben Internet und "Social“ Media wirklich gespielt?

Der Süddeutschen Zeitung zufolge hätten "Tweets und Facebook-Gruppen im Vergleich zu SMS und Handzetteln nur einer Minderheit zur Organisation gedient“. Der Blogger Ethan Zuckerman weise darauf hin, dass "Social Media“ in Ägypten der Elite vorbehalten seien. "Auf die Straße gehe aber eine viel breitere Koalition.“ Eine Tagung in Berlin, von der die gleiche Zeitung berichtet, ließ die Frage ebenfalls offen. Immerhin könnten in Marokko junge Männer und Frauen einander allein im Internetcafé treffen, da Eltern dieses als Ort der "Belehrung, der Karriereförderung und der Kontaktpflege mit Verwandten im Ausland“ akzeptierten. Dass Marokko die "Internetnutzung streng reglementiert, fällt für eine Jugend, die sich das Cyber-Café und das Netz als Ort der subjektiv empfundenen Freiheit erobert hat, offenbar nicht ins Gewicht“.

Quellen:

Süddeutsche Zeitung, 31.1.: Die Mär von der Facebook-Revolution; 15.2.: Die Öffentlichkeit des Cyber-Cafés, beide von Niklas Hofmann


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