Kommentar  

Jüdisches Museum: Hologramm ist nicht gleich Holocaust

Kultur

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

So war das aber nicht gedacht. Vor einem Jahr ernannte Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) die TV-Journalistin Danielle Spera zur Direktorin des Jüdischen Museums, um das Haus in der Dorotheergasse bekannter zu machen.

Das Museum sorgt derzeit in der Tat für Schlagzeilen. Im Zuge der anstehenden Generalsanierung wurde nicht nur das kleine, von Eichinger oder Knechtl gestaltete Café Teitelbaum demoliert, sondern auch die alte Dauerausstellung. Deren Herzstück waren Glaswände, auf denen die jüdische Geschichte Wiens in Form von Hologrammen erzählt wurde. Diese Scheiben wurden von der Baufirma zerstört.

"Ihre Zerschlagung stellt nicht die Demontage einer Ausstellungsarchitektur dar, sondern den Verlust eines unwiederbringlichen Originals“, haben die Direktoren jüdischer Museen in einem offenen Brief geschrieben. Die Krone sprach gar von "wunderbaren wie wertvollen und unersetzbaren Glasbildern jüdischer Ritualgegenstände“.

Museum und Presslufthammer, das passt nicht zusammen. Bereits Albertina-Direktor Klaus-Albrecht Schröder wurde die Zertrümmerung alter Vitrinen zum Vorwurf gemacht. Die Hologramme aber zu Kunstwerken hochzustilisieren und deren Zerstörung in einen metaphorischen Zusammenhang mit den Verwüstungen der NS-Zeit zu bringen, ist eine maßlose Übertreibung. Hier wurden keine verfemten Bücher öffentlich verbrannt, sondern ein museumsdidaktisches Werkzeug platzsparend entsorgt.

Speras Problem ist ein anderes: Sie muss sich umso mehr anstrengen, um ihr Image als PR-Direktorin zu korregieren. Denn genau darin hat sie nun versagt.


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