Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 07/11 vom 16.02.2011

Aggression zwischen den Zeilen

Wertfrei und objektiv: Ich und eine sehr gute Freundin (übrigens sicher keine Sexistin) oder so waren letztens an einem Freitagabend unser wohlverdientes Bier in einem Grazer Innenstadtlokal trinken. War ein durchaus netter Abend (Musik war mäßig), bis wir einen Anruf von S. bekamen, der meinte, er würde uns wahnsinnig gerne auf "ein paar Getränke“ einladen. Nachdem er uns "das Blaue vom Himmel“ versprochen hatte, willigten wir schließlich ein, man ist ja kein Unmensch, und man hatte wirklich das Gefühl, dass es S. vielleicht nicht so gut gehen würde. Als wir dann beim vereinbarten Treffpunkt waren, war allerdings von S. keine Spur, im Gegenteil: Bis auf ein paar Pärchen mit grauen Pullovern, die jeweils ziemlich teuren Rotwein bestellten, war es komplett leer. Wir standen herum wie Falschgeld. Auch am nächsten Tag kein Lebenszeichen von S., bis wir irgendwann durch Zufall draufkamen, dass er wohl nach Wien gefahren war. Da kann sich jetzt gerne jeder Einzelne der ultralinksliberalkonservativchristlichgutmenschlichmoralischen "selbsternannten“ Leser ein Urteil bilden, wie man mit S. umgehen sollte. Für uns ist der Fall jedenfalls klar. Wir werden es uns in Zukunft wohl zwei bis drei Mal überlegen, bevor wir nochmal was mit S. ausmachen, und da lassen wir uns von mir aus auch gerne beschimpfen dafür. Nur: Wie kommen wir dazu?


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