Kunst-Autotherapie und die Schatten einer dunklen Zeit

Steiermark | Herwig G. Höller | aus FALTER 08/11 vom 23.02.2011

Er hat das Forum Stadtpark mitbegründet, war Lehrer, und er ist mittlerweile einer der letzten lebenden steirischen Nachkriegsmodernisten in der bildenden Kunst. Während sein Oeuvre nach einer großen Schenkung seit 2002 permant im Stift Admont zu sehen ist, war er in Graz kaum präsent. Das ändert sich nun: Zum 85. Geburtstag widmet ihm das Museum der Wahrnehmung (Muwa) eine Personale. Für die Eröffnungsrede ist Peter Weibel angekündigt.

Die schwere, oftmals existenzialistisch anmutende Malerei von hannes schwarz, der 1926 in Anger zur Welt kam, lässt sich nicht von seiner Biografie trennen. Der begabte Schüler aus der oststeirischen Provinz war von den Nazis in die Eliteschulen von Krössinsee und Sonthofen geschickt worden. Nach der Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Stuttgart wurde er 1944 an die Front geschickt und erlebte den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs. "Das gesamte künstlerische Schaffen von Schwarz ist als autotherapeutische Verarbeitung seiner politisch indoktrinierten Jugendzeit und der erschütternden Erlebnisse während der Kriegsjahre zu verstehen", heißt es im Text zur Admonter Dauerausstellung.

In der aktuellen Grazer Ausstellung werden vor allem Ölmalereien aus seinem Spätwerk zu sehen sein, flächenlastige Arbeiten wie "Zelt am Rande" (1998), die sich durch figurative Einsprengsel am Rande auszeichnen. Es handelt sich um Werke mit einer formalen Ernsthaftigkeit, die für die Nachkriegsmoderne so typisch war.

Museum der Wahrnehmung, Eröffnung Fr 19.30


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