Wieder gelesen 

Bücher, entstaubt

Politik | aus FALTER 08/11 vom 23.02.2011

Tony Judts Testament Mahlstrom

Als Tony Judts Buch "Ill Fares the Land“ vergangenes Frühjahr erschien, wurde es als das politische Testament des schwer erkrankten New Yorker Intellektuellen gefeiert. Jetzt, wenige Monate nach seinem Tod, liegt es auf Deutsch vor. Ob es eine so gute Idee war, die poetische Goldsmith-Zeile, die dem Buch den Titel gab, wörtlich ins holpernde deutsche "Dem Land geht es schlecht“ zu übersetzen, sei dahingestellt. Judts Buch ist eine Anklage gegen die Totalkommerzialisierung und ein Plädoyer für eine Sozialdemokratie, die ihre Aufgabe und ihre Idee wieder ernst nimmt. Seine These, die Linke müsse heute eine Kraft des Bewahrens werden, obwohl sie doch in der politischen Bilderwelt mit "erneuern“ oder gar "radikal“ verbunden wird, wird längst heftig diskutiert. "Wenn die Sozialdemokratie eine Zukunft hat, dann als Sozialdemokratie der Angst“, hat Judt formuliert. Ganz überzeugend ist das nicht. rm

Tony Judt: Dem Land geht es schlecht. Ein Traktat über unsere Unzufriedenheit. Hanser Verlag, 189 S., € 19,50


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