Schutz für Kindsköpfe: Helm ja, aber ohne Pflicht

Stadtleben | aus FALTER 08/11 vom 23.02.2011

Die Verkehrsministerin will eine Radhelmpflicht für Kinder einführen. Experten sehen die Helmpflicht generell kritisch

Text: Christopher Wurmdobler

Ohren auf, Augen auf, Helmi ist da. So geht der Song des Retro-Maskottchens, das Kindern Sicherheit im Straßenverkehr beibringen soll. Aber trägt eine Helmpflicht zur Sicherheit bei, wie sie SPÖ-Infrastrukturministerin Doris Bures für Kinder unter zehn Jahren in der ORF-"Pressestunde“ forderte? Laut Bures könne damit die Zahl der Kopfverletzungen bei Kindern "um 900 pro Jahr“ reduziert werden. Experten widersprechen und warnen vor den Folgen einer Helmpflicht.

Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) werden hierzulande pro Jahr rund 130 Kinder beim Radfahren verletzt - das sind neun Prozent aller im Straßenverkehr verletzten Kinder. Radhelmpflicht, so der VCÖ, habe in anderen Ländern zu zahlreichen negativen Auswirkungen geführt und könne vor allem betroffenen Eltern massive Probleme bringen. Zum Beispiel weil Versicherungen im Falle des Falles die Möglichkeit eines Regresses nutzen würden. Wie auch bei Erwachsenen könne eine Helmpflicht auch abschreckende Wirkung haben; so ging in Australien seit der Einführung der Helmpflicht der Radverkehrsanteil bei Kindern um fast die Hälfte zurück. Gleichzeitig - weniger Verkehrsteilnehmer führt zu weniger Sichtbarkeit - stieg das Unfallrisiko. Die Radlerlobby IG Fahrrad spricht von "simplen populistischen Heilsversprechen“ der Ministerin und verweist auf negative Auswirkungen wie Bewegungsmangel und mehr Autofahrten. Pro-Helm-Kampagnen ohne "Pflicht“ seien zu unterstützen. Oder wie der VCÖ sagt: "Ein Helm verhindert keinen Sturz und keinen Unfall. Radfahrtrainings hingegen schon.“

Laut einer aktuellen Studie tragen ohnehin bereits 87 Prozent aller Kinder beim Radeln einen Helm.


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