Neu im Kino

Keine verhängnisvolle Affäre: "Last Night“

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Zunächst verstören nur kleine Irritationen. Das wohlsituierte Paar bereitet sich auf einen gepflegten Partybesuch vor, aber eine Spur zu lang verweilt die Kamera auf scheinbar Nebensächlichem, in letzter Sekunde wird noch ein Fernseher ausgeschaltet oder über Alltägliches gesprochen, während Mann und Frau offensichtlich an etwas anderes denken. Auch jener Moment, in dem Joanna (Keira Knightley) ihren Ehemann Michael (Sam Worthington) dabei beobachtet, wie er auf der Firmenfeier das für sie bestellte Glas Wein seiner neuen Kollegin Laura (Sam Mendes) reicht, scheint in ihrer Flüchtigkeit ohne Bedeutung. Aber er genügt, um in ihr eine Eifersucht zu erwecken, die sich zu Hause nach einem Streit mit darauffolgender Aussprache weiter in sie hineinfrisst.

Schon durch diese lang anhaltende Schwebe, die sich in einer Unentschlossenheit der Figuren konzentriert, reicht "Last Night“ über ein konventionelles Eifersuchts- und Liebesdrama hinaus. Im Grunde scheinen verhängnisvolle Affären vorgezeichnet: Michael und Laura fahren ausgerechnet am nächsten Tag auf Dienstreise, während die in New York Daheimgebliebene ihren ehemaligen Liebhaber Alex (Guillaume Canet) trifft, der das attraktive Gegenmodell zum biederen Geschäftsehemann und somit die Versuchung darstellt. Doch Regisseurin Massy Tadjedin lässt sich in ihrem Debüt von dieser Versuchsanordnung nicht zu einem Gesülze über Treue und ewige Liebe verleiten: Ihre Figuren stellen nur sich selbst auf den Prüfstand. Eine Parallelmontage verfolgt die beiden Paare, ohne dass lange Zeit etwas Aufregendes passieren müsste: Das Mondäne und die Art, wie die vier Suchenden durch die Nacht driften, sind aufregend genug.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Artis)


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