Kunst Kritik

Alltagsarchäologische Verstörungen

Steiermark | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Es steht einem Haus wie dem Grazer Stadtmuseum sicher nicht schlecht zu Gesicht, ab und zu auch der zeitgenössischen bildenden Kunst Raum zu geben. Seit 2007 geschieht das wiederholt und in Zusammenarbeit mit der Akademie Graz zum Beispiel im Rahmen von "Innenansichten“ - kleinen, aber feinen Leistungsschauen junger steirischer Kunstschaffender. RAM, Lea Titz, oder Lisa Pock waren da zu Gast. Mit der neuen Reihe "Passagen“ weiten Museum und Akademie den Blick, wollen künftig zweimal im Jahr jeweils eine aktuelle Kunstposition einer literarischen gegenüberstellen und zeigen in einem ersten Schritt Arbeiten des 1945 in Judenburg geborenen Fritz Panzer, die Autorin Angelika Reitzer war bereits eingeladen.

Für seine Ausstellung hat Panzer im Wesentlichen Werke des letzten Jahrzehnts ausgewählt, die allesamt eine deutliche Handschrift aufweisen - eine Arbeit in Öl ebenso wie Zeichnungen sowie eine ganze Reihe seiner großartigen Drahtskulpturen, die Panzer selbst als "begehbar“ und als 3D-Zeichnungen versteht. Mit viel Liebe zum Detail "zeichnet“, skizziert, dreht und formt er mit einfachem Eisendraht Gegenstände, Situationen aus seiner nächsten Arbeits- und Lebensumgebung, die bei genauer Betrachtung oft auch kleine Geschichten ihrer Benutzung erzählen. An der "Vorzimmerleuchte“ ist etwa die Manschette verrutscht, zwischen den beiden Neonleuchten hängt schlapp ein Kabel durch. Derlei Provisorien kennt man aus dem eigenen Alltag, das Dauerhafte, das die Materialität von Panzers Arbeiten nahelegt, wird da durchaus als Verstörung wahrgenommen. TW

Stadtmuseum Graz, bis 6.3.


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