Vor 20 Jahren im Falter  

Falter & Meinung | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Wie wir wurden, was wir waren

Mord in Lainz

Die sogenannten Mordschwestern von Lainz. Sie hatten Patienten per "Mundspülung“ ermordet, waren dann von der Kronen Zeitung bloßgestellt worden ("Schweinchen, das alles macht“) und erwarteten nun den Prozess. Werner Vogt hielt ein flammendes Plädoyer dafür, die Umstände und die politisch für diese Verantwortlichen anzuklagen, nicht nur die unterqualifizierten, im untauglichen System zu Mörderinnen gewordenen Schwestern.

"Die Qualifikation für das, was die Frauen im Namen des Gesetzes erwartet, reicht. Sie kommen alle aus, geordneten Familienverhältnissen‘, weisen alle nachvollziehbare Partnerprobleme auf. Drei der vier Angeklagten haben ein Kind geboren. Eine davon gab ihr Kindzur Adoption frei, weil sie, der Mutterschaft nicht gewachsen war‘. Die befassten Gutachter (Quatember, Spiel, Pfolz) fanden alle, zurechnungsfähig‘, fanden, keinerlei auffällige Persönlichkeitszüge, die im Sinne einer Abartigkeit zu interpretieren wären‘. Jener Schwester, der die Erfindung des Ertränkens im Spitalsbett, die, wissenschaftlich noch unbekannte Mordart‘ der Mundspülung zugeschrieben wird, sagte der Psychiater zwar eine, neurotische Persönlichkeitsstruktur‘ sachverständig nach,, die jedoch nicht als schwere seelische Störung im Sinne des § 11 StgB zu interpretieren ist‘.

Wohlan denn. Da die des tatsächlichen oder versuchten Mordes angeklagten Stationsgehilfinnen, die eigentlich gesetzwidrig vom Dienstgeber verpflichtet, als Diplomschwestern gearbeitet haben, da die Belasteten seelisch ausreichend gesund und den Geschworenen durch eindeutige Anfertigungen von Porträtisten vorgestellt wurden, wobei sich der vom Volk eingeforderte Hass in imponierende Hässlichkeit transformierte, da also die Stimmung gut und die Hoffnung der strukturell Mitbeteiligten groß ist, dass sich mit einem Urteil endgültig auch alle Umstände verlieren, die auf sie, die Mittäter verweisen, kann der Prozess beginnen. Alle sind unbefangen.“ AT


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