Seinesgleichen geschieht  

Ein demokratisches Problem: die umgekehrte Schuldvermutung

Der Kommentar des Chefredakteurs


Armin Thurnher
Falter & Meinung | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Wie sich die Öffentlichkeit Julian Assange hergerichtet hat! Der Imageverlust des Mannes, der zeitweise Osama bin Laden als Staatsfeind Nr. 1 der USA abgelöst hatte, trat schnell und in beeindruckender Form ein. War er eben nicht noch die Verkörperung von Datenanarchie gewesen, von gerechtfertigtem Widerstand gegen das System, von Paradigmenwechsel, von neuneuem Journalismus? Mittlerweile scheint aus feministischer Sicht bereits die Anschuldigung, er habe zwei Frauen vergewaltigt, nicht ganz ungerechtfertigt, zumindest aus seiner "schwierigen Persönlichkeit“ erklärbar. Ein Idol wurde abmontiert, die Ideale seiner Organisation offenbar gleich mit ihm.

Ehe die Feministinnen von ihm abfielen, verließen ihn seine ehemaligen Kooperationspartner. Die New York Times, die mit dem Guardian und dem Spiegel ihre journalistische Glaubwürdigkeit eingesetzt hatte, um die Wikileaks-Aufdeckung in Sachen Afghanistan weltweit salonfähig zu machen (und nebenbei am Scoop von Wikileaks kräftig zu

Abo hier bestellen Abo hier bestellen
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl und erhalten Sie sofort einen Digitalzugang, um Artikel kostenfrei zu lesen.
Wenn Sie kein FALTER-Abo haben, können Sie diesen Artikel hier einzeln kaufen, als neuer Nutzer kostenfrei mit Startguthaben.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige