Meinesgleichen

Falter & Meinung | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Der innere und äußere Grenzgang des Florian Klenk

Bringt ein Falter-Kollege ein Buch heraus, wird daraus üblicherweise vorabgedruckt. Nun hat Florian Klenk ein Buch herausgebracht, das wir nicht vorabdrucken, weil ein Großteil der dort abgedruckten Reportagen bereits im Falter erschienen sind. Das Buch soll aber nicht unerwähnt bleiben, deshalb der Hinweis an dieser Stelle.

Klenks Buch ist keineswegs ein Sammelsurium verschiedener Texte. Sein Leitmotiv ist die Grenze, die äußere der EU wie auch die innere, welche die Welt des Wohlstands von deren Schattenseiten scheidet. Klenk zeigt mit dem Mittel der journalistischen Reportage einer Gesellschaft jenes Bild von sich, das sie weniger gern zur Kenntnis nimmt. Er tut das nicht im Ton des Anklägers, er sieht hin, er spricht mit Menschen, er zeichnet auf, er berichtet.

Falls in der Öffentlichkeit aufgrund der Buwog-Protokolle und des Meischberger-Tagebuchs der Eindruck entstanden sein sollte, Klenk sei der Enthüllungsjournalist der Nation, muss dieser Eindruck nicht revidiert, aber erweitert werden. Denn sein Buch mit Berichten über die Wartenden an der Schengengrenze, über die Opfer von Frauenhandel oder von Spielsucht, über eine KZ-Wärterin oder einen KZ-Häftling, über einen Kärntner-Modell-FPÖ-Funktionär oder über die Mutter des jugendlichen Kremser Polizeiopfers zeigt nicht nur ein Bild unserer Gesellschaft, es fordert auch zur Korrektur dieser Gesellschaft auf. Selten geschieht das in so anschaulicher Form; die Entrechteten selbst kommen hier zu Wort.

Florian Klenk: "Früher war hier das Ende der Welt“. Reportagen. Zsolnay Verlag, 174 S., € 18,40


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

×

Anzeige

Anzeige