Kommentar  

Ein Ende mit Schrecken: Peter Noever verdient kein Mitleid

Kultur


Matthias Dusini
Falter & Meinung | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Ende des Jahres wäre sein Vertrag am Museum für angewandte Kunst (Mak) abgelaufen, nun nahm Direktor Peter Noever vorzeitig seinen Hut. Die Affäre um die im Museum abgehaltenen Geburtstagsfeiern für seine Mutter veranlassten ihn zu diesem Entschluss.

Noevers Anhänger reagierten mit Huldingungsschreiben; Künstler, Museumsleute und Architekten deponierten auf einer Homepage ihre Grüße. "Hätten Sie die Geburtstagsfeier für Ihre Mutter in einem italienischen Museum ausgerichtet, im Land, wo la mamma alles bedeutet, man hätte Sie dafür bewundert“, schreibt etwa die Wiener Galeristin Ursula Krinzinger. Genau das ist das Problem.

Denn nicht Noevers Verdienste für die Kunststadt Wien stehen zur Debatte, sondern die Verwendung öffentlicher Gelder für private Zwecke all’italiana. Spät erst kam Andreas Treichl, der Chef der Erste Bank und Mak-Aufsichtsrat, seiner Kontrollpflicht nach und schickte Wirtschaftsprüfer ins Haus. Wie Ministerin Claudia Schmied ließ er sich von Noevers Repräsentationskünsten blenden.

Im wöchentlichen Jour Fixe rief der Universalgestalter zur Leben und Kunst vereinenden Tafelrunde. Da fiel den geladenen Künstlern, Managern und Politikern ein Buffet mehr oder weniger nicht mehr auf.

Noevers Rücktritt kommt zehn Jahre zu spät. Die große Reputation des Mak geht auf jene Zeit zurück, als das Museum noch vom Ministerium kontrolliert wurde. Da sanierte Noever das Haus vorbildlich und ermöglichte wichtige Ausstellungen. Der Sinkflug begann, als er das Budget selbstständig verwalten musste.

Ein letztes Mal darf er nun den Dissidenten spielen, das erste Mal nicht auf Staatskosten.


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