Am Apparat  

Herr Weber, wie gut lebt es sich als berühmter Plagiatsjäger?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Der Salzburger Wissenschaftler Stefan Weber hat - gemeinsam mit der Internet-Schwarmintelligenz - die Dissertation des deutschen Verteidigungsministers Karl Theodor zu Guttenberg als Plagiat entlarvt. Inzwischen gibt es viele neue Anfragen - und Weber träumt von neuen Methoden.

Herr Weber? Hier spricht der Falter aus Wien.

Endlich! Endlich ruft eine gescheite Zeitung an. Sie können sich gar nicht vorstellen, was bei mir los ist. Ich habe in den letzten Tagen hundertmal die gleichen Fragen beantworten müssen, habe immer wieder O-Töne spenden müssen für Radio Dschinghis Khan oder wie die alle heißen ...

Sie haben immerhin Guttenberg doktorlos gemacht. Das war gute Werbung für ihr Geschäftsmodell, die Plagiatsjagd.

Aber die Dekonstruktion Guttenbergs war ja wohl nicht ich alleine. Ich wollte daraus nie ein Geschäft machen, aber nachdem ich immer mehr Anfragen bekam, Dissertationen und andere Arbeiten zu überprüfen, dachte ich mir irgendwann, ich kann das nicht alles umsonst in meiner Freizeit machen. Jetzt prüfe ich, wenn ich beauftragt werde. Gerade eben hat Peter Pilz mich beauftragt, die Dissertation von EU-Kommissar Johannes Hahn zu überprüfen.

Was kostet ein Plagiatscheck bei Ihnen?

Das kommt auf den Umfang an, seriöserweise dauert so etwas einige Tage, wenn nicht Wochen. Meine Arbeitsstunde kostet etwa 50 Euro. Wobei, wenn Sie mich fragen, geht es in Zukunft nicht mehr primär um Plagiate ...

... sondern?

Um Ghostwriter. So holen sich doch immer mehr neuerdings ihre akademischen Würden. Guttenberg vermutlich auch, man muss sich nur etwa den schwulstigen Stil des Vorworts anschauen. Man müsste also einen Anti-Ghostwriter-Check erfinden. So viele von diesen Fremdfedern gibt es ja auch wieder nicht, und ihre Stilformen lassen sich sicher kategorisieren.

Interview: Barbara Tóth


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