Und täglich grüßt die Rotgardistin

Feuilleton | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Das Museum für Völkerkunde zeigt das Politdesign von Maos Kulturrevolution

Ausstellungsrundgang: Nicole Scheyerer

Die Revolution winkt schon beim Aufwachen: Auf dem Ziffernfeld des Weckers schwenkt eine Rotgardistin ihre Mao-Bibel im Sekundentakt. Beim Frühstück mahnen Parolen auf der Teekanne sozialistische Gesinnung ein. Zigarette? Dem Kettenraucher Mao Zedong wird auf dem Packerl gehuldigt. Der "große Vorsitzende“ grüßt nicht nur vom Hausaltar, wo Porzellanplaketten mit seinem Konterfei die Buddhastatuen und Ahnentafeln ersetzt haben, sondern sogar vom Rasierspiegel. "Der Osten ist rot, die Sonne geht auf“, heißt es auf einem solchen Toiletteartikel, den das Völkerkundemuseum nun in der Ausstellung "Die Kultur der Kulturrevolution“ zeigt.

Den größten Posten in der Sammlung, die das Museum vom Journalisten und China-Korrespondenten Helmut Opletal erworben hat, stellen die Mao-Abzeichen dar. Ein solcher Button steckt auch an der Uniform einer Rotgardistin zu Beginn der Schau.


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