Selbstversuch

Gut, die Mädchen sind auch deppert, aber

Kolumnen | Doris Knecht   | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Anna hat mich vorgestern dabei betreten, wie ich die Hemden des Langen bügelte. Das glaube ich jetzt nicht, sagte Anna, du! Männerhemden zu bügeln gilt ja als Fanal feministischer Bankrotterklärung und Selbstaufgabe. Dazu ist allerdings Folgendes zu sagen: Das mit den Hemden ist ein klarer und für mich überaus vorteilhafter Deal. Ich bügle immer wieder ein paar Hemden und muss dafür immer nie mit dem Fußballmimi zum Fußballtraining, wo man, wie ich vom Langen höre, bei diffusem Licht und ebensolchen Gerüchen in einer traurigen, kalten Halle am anderen Ende Wiens zwei praktisch unerträgliche Stunden zu erleiden hat. Ich glaube der Lange’schen Drastik selbstverständlich nicht, hüte mich aber zu widersprechen, da der Lange sonst noch auf die Idee kommen könnte, ich sollte das einmal ausprobieren.

Und ehrlich, lieber bügle ich zwei Stunden lang Hemden und höre währenddessen Wolfram Berger dabei zu, wie er mir den "Mann ohne Eigenschaften“ vorliest, als dass ich ebenso lange meinem Bubenmädchen dabei zusehe, wie es die Gemeinheiten einiger Blöd-Buben pariert. Das Bubenmimi zeigt nämlich in seiner Gender-Indifferenz beeindruckende Sturheit, allerdings wird es allmählich härter, da die Buben in diesem Alter eine Tendenz zu markanter Deppertheit zeigen und zu einem ausgeprägten Willen, diese an vermeintlich Schwächeren auszuleben. Gut, die Mädchen sind auch deppert, aber wenn einmal eins versucht, sich der schon im Kindergarten verfestigenden Geschlechtersegregation durch bewusste Unentschiedenheit zu entziehen, läuft es halt zunehmend Gefahr, sich tüchtig Gemeinheiten und Demütigungen einzufangen. Und es fehlt dem Bubenmimi nun einmal das Testosteron, das es einem Kind offenbar ermöglicht, sich gegen dergleichen Grobheiten angemessen zu wehren. Was das Bubenmimi bislang allerdings nicht von seinem Weg abbringt, es will sich immer noch nicht vorstellen müssen, einst eine Frau zu sein, und dankt schon jetzt dem Schicksalsgen, das alle Frauen in meiner Familie brustfleischmäßig entschieden untervorteilte. Allerdings wird dennoch irgendwann der Sommer kommen, wo das Kind in schlabbrigen Bubenbadehosen nicht mehr sittlich korrekt gekleidet sein wird. Und obwohl der Lange und ich weiterhin vermeiden, die Angelegenheit zu problematisieren, hoffen wir doch heimlich, dass das Kind sich bis dahin mit seinem Gender-Schicksal angefreundet haben wird, also, so weit wie notwendig. Es muss ja nicht gleich Hemden bügeln wollen.

Die drohende Bikinisaison, bei dem Weg ... Ich musste feststellen, dass die Schlank-im-Schlaf-Diät nur funktioniert, wenn man auch im wachen Zustand ein paar Regeln einhält. Und, genau, ich bin jetzt doch wieder auf Facebook, wo man mit Fotos super lügen kann, und bevor mir das jemand unterstellt: Es dient praktisch ausschließlich der schamlosen Selbstvermarktung. Andererseits: Das tut es ja immer.


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