Fragen Sie Frau Andrea

Der Irre und sein Gaddafimobil

Kolumnen | aus FALTER 09/11 vom 02.03.2011

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

sicher haben Sie den irren Auftritt von Muammar Gaddafi gesehen, wie er mit Regenschirm und Pudelmütze in einem, ja, was war das eigentlich, saß? War das eine Hubschraubergondel, ein Lastauto, ein gepimpter Pick-up-Truck? Und wo, bitte, war das? Bitte um Aufklärung!

Liebe Grüße, Iz Neher,

per Gesichtsbuch-Direktnachricht

Liebe Iz,

Oberst Muammar al-Gaddafis Beziehung zu Autos darf als ungewöhnlich bezeichnet werden. Obschon der Diktator zwischen exzentrischer Verkleidungsmanie, paranoider Ichüberhöhung und größenwahnsinnigem Sendungsbewusstsein oszilliert, ist sein Fuhrpark eher bescheiden, weit entfernt vom Autoirrsinn anderer arabischer Potentaten. Legendär sind öffentliche Wandbilder, auf denen der Revolutionsführer am Steuer eines VW-Käfers sitzend abgebildet ist. Gaddafis hellblauer Privatwagen ist Schaustück im Tripolitaner Nationalmuseum und erinnert an die Zeit vor 1969, als er durch Libyen ratterte, um Pamphlete zu verteilen und zur Revolution aufzurufen. Einen gänzlich anderen Gaddafi nahm die Welt 2009 wahr, als der Wüstensohn auf der Konferenz zur Organisation Afrikanischer Einigkeit Saroukh el-Jamahiriya, die Libysche Rakete, vorstellte, eine von ihm eigenhändig entworfene futuristische 230-PS-Sportlimousine mit spitz zulaufender Front und Raketenheck. Gaddafi präsentierte den Flitzer als das "sicherste Auto der Welt“. Der fahrbare Untersatz, mit dem sich Gaddafi zuletzt zeigte, ist ein schlichtes Golfplatzfahrzeug. Das Modell Precedent der US-Firma Club Car in der Farbe Beige mit optionalem Hardcover-Verdeck dürfte die Benzinversion des Zweisitzers sein. Mit der Liebe für Golfbuggys dürfte sich der Diktator im Juli 2009 bei seinem Besuch auf dem italienischen G8-Gipfel in L’Aquila infiziert haben. Die internationalen Staatschefs wurden dort, wie auch schon auf vorangegangenen Gipfeln, in Golfwägelchen transportiert. Das Gaddafimobil ist vor dem Zelt des "Königs von Afrika“ in Bab al-Azizia stationiert, Gaddafis Militärresidenz im Süden von Tripolis. Auf dem Video der letzten Filibuster-Rede Gaddafis kann man deutlich einen Parkschaden am seltsamen Tranklermoped sehen. Ein fahrerseitiges Loch in der Scheibe wurde mit Karton und Klebeband "repariert“.


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