Böse Philosophen und böse Popen

Moral VII: Philipp Blom erzählt eine monumentale Geschichte über die Errungenschaften der französischen Aufklärung

ALFRED PFOSER | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Das Schicksal Voltaires (1694-1778) war abschreckend. Weil ihn niemand in Paris begraben wollte, steckte man seinen Leichnam in Straßenkleider und schickte ihn in einer Kutsche aufs Land. Dort fand sich ein toleranter Priester, der ihn bestattete. Denis Diderot (1713-1784) sorgte dafür, dass dergleichen mit ihm nach seinem Tod nicht passieren konnte. Obwohl er bereits gebrechlich war, siedelte er in einen anderen Pariser Stadtteil um, wo unkonventionelle Priester auf Bohemiens wie ihn warteten. Eine kleine Spende war für ein feierliches Begräbnis genauso hilfreich wie die Miete von 55 (!) Priestern. Einen Widerruf seiner blasphemischen Ideen verweigerte er allerdings: "Sie müssen zugeben, dass so etwas eine freche Lüge wäre."

Denis Diderot und sein Kreis, meint Philipp Blom, könnten die gegenwärtige Debatte um den Atheismus beleben. Denn sein radikales Denken weise schon alle intellektuellen Ingredienzen auf, die wir aus aktuellen Büchern wie denen des Evolutionsforschers und Religionskritikers


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