Die Liebe in Zeiten der Supermarktketten

Mit "Wiedersehen in Fiumicino" sucht sich Reinhard Kaiser-Mühlecker von der Selbstbeobachtungsprosa freizuspielen

LEO FEDERMAIR | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Borges hatte Angst vor Spiegeln, er meinte, sie lauerten den Menschen auf und verwirrten sie durch Vervielfachung. Narziss wird von Spiegeln angezogen, er gilt als das Urbild des Eitlen, der sich vom Selbstbild bestricken lässt.

Joseph, das Alter Ego des Autors in Reinhard Kaiser-Mühleckers drittem Roman, glaubt sich gegen den Vorwurf der Eitelkeit wehren zu müssen. Sicher ist, dass ihn das Selbstbild im Spiegel anzieht.

Am Ende seiner Geschichte, bei einem nostalgieschwangeren Ausflug auf die Alm, betrachtet er zuerst sich selbst, um sich dann der Landschaft zuzuwenden. "Ich betrachtete mich eine Minute lang im Rückspiegel, stieg aus, aber es war sehr kalt, und ich beschloss, wieder einzusteigen und doch mit dem Auto zu fahren."

Eine Minute, das ist viel Zeit. Jedenfalls dann, wenn man sie aus dem großen Strom heraushebt. Dies auf eine Weise zu tun, dass das Vergehen und Stehenbleiben der Zeit an sich schon zum Ereignis wird, ist eine der Stärken des Autors. Kleine Gesten, winzige Szenen,


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