Espresso und Erinnerung

Peter Kurzeck ergeht sich sein Werk beim Flanieren durch Frankfurt oder das südfranzösische Uzès

ULRICH RÜDENAUER | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Das Schönste, was Literatur zu leisten vermag, ist, einen neuen Blick auf die Welt zu ermöglichen. Nach der Lektüre eines Gedichts oder eines Prosatextes sollte man hinausgehen und alles ein wenig anders wahrnehmen: genauer, verschobener, verrückter. Aber wie oft geschieht so etwas? Manchmal. Viel zu selten. Fast nie.

Und dann passiert es doch, und es passiert mit einem Text, der auf schlichte Weise ganz gewöhnliche Alltagsmomente aneinanderreiht. Eine nachgerade monoton anmutende Prosa, ein Rinnsal von Sätzen, das durch ein Großstadtviertel fließt. Und man wundert sich, wie man von diesem unscheinbaren Text verwandelt wird und nicht mehr aufhören kann zu lesen, obwohl der Fortgang der Geschichte einem Stillstand gleicht, obwohl es keine Handlung gibt, sondern nur ein Leben, das sich erzählt - so, wie ein vollkommenes Bild oder ein Musikstück sich selbst erzählt und keine Erklärungen braucht.

Der lange und langsam fließende Text

von dem hier die Rede ist, verteilt sich inzwischen


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