Kommentar  

Staatsskandal? Medienskandal! Natascha Kampuschs Irrtum

Der Fall Kampusch

Florian Klenk | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Natascha Kampusch fordert also eine Million von der Republik. Ermittlerpannen hätten ihr Martyrium um Jahre verlängert. Ein Schadenersatz in der Höhe von mehr als 300 Euro pro Tag sei angemessen. So ihr Anwalt, der auch News-Anwalt ist.

Die Klage hat wenig Aussicht auf Erfolg. Es ist nicht gesagt, dass die Ermittler Kampusch damals wirklich in Priklopils Betonkeller gefunden hätten, wären sie Hinweisen sorgfältiger nachgegangen. Einen Krimi liest man nicht von hinten.

Schon höhnt die Krone im "Freien Wort“, Kampusch möge doch morgens aufstehen und anständig arbeiten, anstatt den Steuerzahler zu belangen. Solche Häme, mit der sie von der Journaille seit Jahren überschüttet wird (hier erweist sich übrigens der Presse-"Doyen“ Thomas Chorherr als besonders umtriebig), ist der wahre Schaden für sie. Die Hetze ist in diesem Land zwangsläufige Konsequenz einer medialen Vermarktungsstrategie, die Kampusch kurz nach ihrer Befreiung auf Anraten ihrer "Berater“ einschlug. Die österreichischen Medien - ORF, News und Krone -, so glaubte damals etwa Kampuschs Medienberater Dietmar Ecker, sollten durch Exklusivverträge zur "Schutzhand“ werden.

In Wahrheit wurde die Schutzhand zur Faust, die aus Kampusch alles rauspresste, sogar ein Foto, das sie, das Missbrauchsopfer, beim ersten innigen Tanz mit einem Burschen zeigte. Eva Dichand druckte es.

Der Fall Kampusch ist mehr Medienskandal als Staatsskandal. Kampusch sollte nicht die Republik belangen, sondern die Medien. Sie haben ein perfides Spiel mit der jungen Frau gespielt und ihre Unerfahrenheit schamlos für ihre eigenen finanziellen Interessen genützt. F


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