Am Apparat

Wann kehren Sie nach Tripolis zurück, Frau Auer?

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Politik | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Dorothea Auer ist österreichische Botschafterin in Libyen. Nach den Kämpfen am Freitag vorvergangene Woche musste sie Tripolis verlassen und arbeitet nun von einem Hotel nahe Djerba, Tunesien, aus.

Frau Auer, wie schaut Ihr Tag aus?

Derzeit kümmern wir uns von unserer "Exilbotschaft“ aus vor allem um die humanitären Hilfeleistungen für die Flüchtlinge.

Gaddafi droht Europa schon mit Millionen Flüchtlingen.

Das ist der Punkt, wo er weiß, dass das uns Europäer besonders beeindruckt. Es soll ja 1,5 bis zwei Millionen quasi legale illegale Migranten in Libyen gegeben haben. Viele wurden schon nach Hause gebracht. Die Somalier können derzeit nicht zurück. Wenn sich die Lage klärt, wird man sehen, wie viele verblieben sind.

Wie viele Österreicher sind noch im Land?

Das kann man an zwei Händen abzählen. Manche sind Doppelstaatsbürger oder mit Libyern verheiratet, einige arbeiten noch in einem Ölfeld.

Wird man in der Diplomatenausbildung auf so eine Situation vorbereitet?

Nein, aber es ist ja nicht der Normalfall. Wir sind die dritte Botschaft in der Zweiten Republik, die evakuiert wurde, nach Bagdad und Belgrad. Deswegen gibt es das Unterstützungsteam aus Wien und den Krisenstab im Ministerium. Ich hoffe, dass ich diese Erfahrung kein zweites Mal machen muss.

Sie hörten tagelang Schüsse.

Unsere Botschaft liegt in der Nähe des Zentrums, wir hörten sie sehr nahe - wie eine Tür, die zuknallt. Daran kann man sich nicht gewöhnen. Bei der Evakuierung wurden wir an einem Checkpoint aufgehalten. Man kann vieles falsch machen, wenn Menschen mit Waffen zusammenkommen. Da nutzt die diplomatische Immunität nichts.

Sind viele Botschafter ausgereist?

Die meisten meiner Kollegen sind in ihre Heimat geflogen. Wir warten hier, bis wir nach Hause können. Und das ist in Tripolis.

Interview: barbara tóth


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