Mediaforschung

Braucht es schwarze Frauen für Afri-Cola, Herr Fischmann?

  Nachfragekolumne

Medien | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Eine dunkelhäutige Schönheit mit blaugrauen Augen blickt sinnlich durch beschlagenes Glas. Rechts neben dem Gesicht prangt eine vereiste Afri-Cola-Flasche und der Schriftzug "are you afri-cola?“. "80 Jahre anders“ lautet das Motto zum runden Geburtstag der braunen Brause.

Die Agentur Brandplatform bewirbt das Colagetränk - mit unterschiedlichen Plakaten für das zuckerfreie Afri-White, garniert mit einem auf Weiß geschminkten Mann, und dem aufputschenden Afri-Red, für das ein knallrothaariges Model einsteht.

Besonders originell ist das nicht. Getränkehersteller werben derzeit gerne mit Blondinen, Rothaarigen oder Brünetten für ihre Biersorten. Hirter etwa plakatierte zuerst drei Frauen und dann, als diese Kampagne als sexistisch empfunden wurde, drei Männer.

Aber Afri-Cola lebt - neben dem Geschmack - ohnehin mehr vom feinen Retrodesign der taillierten Flasche, die 1962 entworfen und bis heute beibehalten wurde. "Das ist gut so“, findet Gerhard Fischmann, Geschäftsführer von Brandplatform und kreativer Kopf der Kampagne. "Anders als die anderen zu sein, den eigenständigen Charakter der Marke zu inszenieren - mit dieser Flasche und dem Palmen-Logo gelingt das optimal“, ist er überzeugt. Im Gegensatz zum Giganten Coca-Cola stehe Afri-Cola für eine coole Alternative, ein Produkt speziell für die "Szene“.

Dazu beigetragen haben sicher die psychodelischen, legendären Werbemotive und Videoclips des Fotografen und Werbespezialisten Charles Wilp. Er ließ etwa attraktive Nonnen hinter vereisten Fenstern mit Afri-Cola posieren oder die schwarze Künstlerin Marsha Hunt dazu swingen.

Fischmann will mit den Motiven der aktuellen Kampagne an Wilps Bildsprache anknüpfen. Sprudelt aber nur halb so gut wie früher. stefan kluger


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige