Die Bauchmuskeln sind weg, und der Hintern wird breit: Schenk deinem Mann eine Auszeit!

Feuilleton | Filmkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Bevor Vaginawitze und Penislängenvergleiche von drastischer Evidenz den gross-out humour bedienen, für den das Körperkomikkino der Farrelly Brothers berüchtigt ist, beginnt es beim Durchblättern des Fotoalbums mit relativ familienkompatiblen Scherzen über Bauchmuskelschwund und Gesäßverbreiterung: "War das, bevor Mama einen fetten Arsch hatte?“ - "Wer sagt, dass Mama einen fetten Arsch hat?“ - "Mama.“

Rick und Fred (Owen Wilson und Jason Sudeikis) sind zwei Männer in den besten Jahren und in festen Händen - was bei den Betroffenen bekanntermaßen den Verdacht aufkommen lässt, es wäre besser, in nicht ganz so festen Händen zu sein. Die Diskrepanz zwischen überschießender erotischer Fantasie und Aussicht auf deren Einlösung produziert eine Komik, die peinlich ist, mitunter aber auch etwas Rührendes hat - etwa wenn Rick gen Himmel fleht, die attraktive junge Blondine im Coffee-Shop möge bitte, bitte nicht auch noch einen hübschen Hintern haben - ein Gebet, das so was von nicht erhört wird …

"Hall Pass“ weist den Mann einmal mehr als das lächerliche(re) Geschlecht aus, dessen Ärmlichkeit noch dadurch gesteigert wird, dass Frauen wie Maggie und Grace (Jenna Fischer und Christina Applegate) ohnedies alles durchschaut haben (was sie nicht wissen, übermittelt ein verkehrt installiertes Babyfon). Und weil sie ahnen, dass das Begehren umso heller lodert, je geringer die Aussicht auf Erfüllung ist, statten sie ihre Männer mit einem "Hall Pass“ aus - der Lizenz zu sanktionsfreiem Fremdgehen, auf die Rick und Fred ähnlich reagieren wie der Selbstmörder an der Dachkante auf den Zuruf "Spring, du Sau!“

Aufreißsprüche aus der Hölle, falsche Ernährung oder der Schauplatz Massagesalon sorgen für die erwartbare Abfolge von Gags mit hohem Fremdschämfaktor in einem Film, der als albtraumhafte männliche Bestrafungsfantasie dann doch noch in ein augenzwinkernd kitschiges Stand-by-your-(wo)man-Finale mündet. F

Ab 11.3. im Kino (OF im Artis)


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