Nüchtern betrachtet

Wären Tulpen ein Land, sie wären wohl China

Feuilleton | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Ich will diese Blumennummer durchaus nicht unendlich auswalzen, weil: Wenn man dauernd von Schnittblumen faselt, denken die Weiber ja nicht "Was für ein feinfühliger, zartbesaiteter Schöngeist!“, sondern die denken: "In Wirklichkeit wäre der auch lieber Steward geworden!“ Das ist nicht die angestrebte Reaktion. Aber nachdem sich der Besuch an dem Abend, der für bierbegleiteten Curryverzehr und Trivial Pursuit angesetzt worden war, mit einem bombastischen Bouquet an Tulpen und Ranunkeln einstellte (eine Killerkombi, auf die wir unsererseits reagierten, indem wir das üblicherweise mit Irland assoziierte Nachtschattengewächs mit dem nach einer großen österreichischen Schauspielerin benannten spinatartigen Gemüse in einen Kochtopf warfen), muss ich noch ein bisschen bei den Blumen bleiben.

Am nächsten Tag besorgte ich bei der tschechischen Tulpenfrau einen Strauß rot-gelb geflammter Tulpen. Ich kann doch nicht - man entschuldige die doppelte Verneinung, die jetzt gleich folgen


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