Ins Mark  

Versprochen, gebrochen

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Die Sieger beim Gratis-Kindergarten sind unsere Kinder und die jungen Eltern“, frohlockte einst Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ), "dank Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer konnten wir etwas Großartiges für die steirischen Familien erreichen“, wollte die ÖVP auch einen Happen vom Ruhm.

Zweieinhalb Jahre später wirft die Regierung den "Meilenstein“ wieder über Bord, und das ist vor allem aus Gender-Perspektive entmutigend: Wirtschaftsforscher sehen einen direkten Zusammenhang zwischen Gratis-Kinderbetreuung und höherer Frauenbeschäftigung. In vielen Familien wird nun wieder gerechnet: Zahlt es sich aus, dass die meist teilzeitarbeitende und immer noch weniger verdienende Mama arbeiten geht, wenn vom zusätzlichen Verdienst ein Teil gleich wieder für die Betreuung wegzuzahlen ist? Gerade bei mehreren Kindern wird diese Rechnung wohl oft mit dem Ergebnis enden: Nöö, bringt’s nicht. Verschärft noch dadurch, dass die Regierung nicht einmal eine Mehrkindstaffel vorsieht.Die Langzeitfolgen: Je länger Frauen aus dem Beruf draußen sind, desto schwerer wird der Wiedereinstieg, desto niedriger qualifizierte Jobs bleiben ihnen, desto weniger verdienen sie auch in der Folge, und desto mehr unter der Armutsgrenze dümpelnde Pensionistinnen wird es geben.

Es bleibt ein schales Gefühl: Der Gratis-Kindergarten wurde im Herbst 2008 eingeführt, der Angehörigenregress bei der Sozialhilfe und der Pflege um etwa dieselbe Zeit mit großem Pomp und Trara abgeschafft. Kurz nach der Wahl kommt eine Belastung nach der anderen wieder zurück. Ging es bei den Reformen eigentlich je um etwas anderes als um den Wahltag? F


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