Doris Knecht 

Ich finde das in diesem Fall einfach nicht gut

 Selbstversuch

Kolumnen | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Vom Kabarett als solchem bin ich bekanntlich kein allzu glühender Fan. Das hat jetzt wenig Neuigkeitswert, aber in Witze verwandelte Kritik ist doch eher systemstabilisierend. Gemma ins Kabarett über die Zustände lachen, so, eh keine originelle Ansicht, eh so ein Bart, eh. Trotzdem.

Auf dieser Basis fand ich auch, bei aller aufrichtigen Verehrung für deren Protagonisten, den Einfall der lustigen Verlesung der Grasser-Abhörprotokolle für nicht so zündend, weil damit einer der gravierendsten Polit-Kriminalfälle der Zweiten Republik eigentlich zu einer Lachnummer verniedlicht wird. Zu harmloser, entpolitisierter Schmunzelware, die selbst Grassers Anwalt gerne im Kreise der Grasser-Kritiker konsumiert: So ein befreiendes Gelächter eint ja selbst die erbittertsten Gegner.

Ich meine - und lasse da gerne mit mir darüber diskutieren -, dass auf solche Weise die notwendige Empörung über ein wirklich gravierendes Vergehen, pling, in ein konsensuelles Wenn-wir-gemeinsam-darüber-lachen- können-ist-es-ja-nicht-so-schlimm-Be-wusstsein verzaubert wird. Schimpfen Sie mich humorlos, geißeln Sie mich als Spielverderberin, aber ich finde das in diesem Fall nicht gut, ja: kontraproduktiv. Und sehr, sehr österreichisch.

Aber ich bin, vielleicht gerade deshalb, sehr begeistert von Thomas Maurers neuem Programm "Out of the Dark“. Das hat vor allem damit zu tun, dass Maurer definitiv einer der klügsten Kerle der österreichischen Kulturszene ist, ein tatsächlich politischer Mensch, ein wirklicher, ernsthafter Denker, der das Weiterhirnen auch dann nicht scheut, wenn etwas Ungeplantes, ja Scherzstillendes dabei herauskommt. Weil man beim Denken ja gern auf Abwege gerät, und Maurer ist immer und immer mehr bereit, das Publikum auf diese Abwege mitzunehmen, ihm seine Denkodyssee ebenfalls zuzumuten, anstatt sie nur in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen zu servieren.

Natürlich würden wir, wenn’s nicht auch lustig wäre, gar nicht hingehen, und bevor es gar nichts mehr zu lachen gibt, macht sich Maurer recht selbstlos selbst zum Kasperl, danke, sehr freundlich. (Plus er hat am Samstag auf Ö1 den arroganten Otto Brusatti und dessen engstirnige, gestrige Ansichten zu E- und U-Musik abprallen lassen: auch dafür herzlich danke.)

Was diese Woche noch gut ist/war: das neue Album von Bernhard Eder ("To disappear doesn’t mean to run away“). Das neue Album von James Blake. Das nicht mehr ganz neue Album von Laokoongruppe. Der neue Werbespot vom Hornbach. Das Jassen im Wetter. Das Geburtstagsfestl von der Mitzi. Die Spinatcannelloni von Jamie Oliver. Wie sich der Heinzl blamiert hat. Dass der Fasching vorbei ist. Dass der Frühling kommt. Und sonst ... ja. F

Doris Knechts erster Roman, "Gruber geht“, (Rowohlt Berlin, 224 S., € 17,50) erscheint diese Woche und wird am 23.3. um 20 Uhr im Rabenhof präsentiert.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige