Kabarett 

Leider gefaket: Thomas Maurers schönste Eklats

Kritik

Lexikon | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Das ist nicht Thomas Maurer

Wenn ein Kabarettist auf die Bühne kommt und behauptet, dass er jetzt keine Rolle spielt, sondern quasi privat zu uns spricht, dann ist das fast immer gelogen. Alles, was auf einer Bühne gesagt wird, ist künstlich; meistens wurde es vorher auswendig gelernt. Thomas Maurer ist ein Kabarettist, der mit dieser unscharfen Grenze zwischen Person und Kunstfigur gern spielt. Wenn Thomas Maurer behauptet, Thomas Maurer zu sein, ist das mit besonderer Vorsicht zu genießen. In seinem Retro-Programm "Out of the Dark“ treibt er dieses Stilmittel auf die Spitze. Im Prinzip macht Maurer darin etwas ganz Ähnliches wie zuletzt Alfred Dorfer in "bisjetzt“: Er baut Versatzstücke seiner alten Programme zu einem neuen zusammen - ein "Best of“ mit Rahmenhandlung.

Der Unterschied ist, dass Maurer sich dabei die peinliche Charaktermaske eines gefallenen Kabarettisten namens Thomas Maurer aufsetzt. Dieser sitzt volltrunken in der Rateshow "Was gibt es Neues?“ und bewirft Daniel Kehlmann beim von Barbara Rett moderierten TV-Talk mit Papierkugeln. Die YouTube-Videos, in denen Maurers Entgleisungen dokumentiert werden, sind so perfekt gefaket, dass sich mancher Besucher fragen wird, warum er das eigentlich nicht mitgekriegt hat. Andere werden zumindest wissen wollen, wie es Maurer gelungen ist, unter anderen Heinz Fischer (!) oder John Cleese (!!) für Video-Grußbotschaften zu engagieren.

Das Programm enthält angeblich Ausschnitte aus den ersten zehn Maurer-Programmen, also von "Unterm Farkas hätt’s des net geben“ (1989) bis "Menschenfreund“ (2005). Dass 15 Jahre alte Nummern immer noch funktionieren, wenn man "Haider“ durch "Strache“ ersetzt, spricht für die Nummern und gegen eine politische Landschaft, in der sich während Maurers Laufbahn wenig verändert hat. WK

Stadtsaal, Fr, Sa, Di, Mi, Do 20.00


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