Ausstellung

Harter Stahl zum lässig Schwingen

Tipp

Lexikon | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

"Wohnung Erwin Piscator“

"Haus Breuer 1“

Das deutsche Vitra Design Museum produziert am laufenden Band Ausstellungen mit dicken Katalogen, die dann international auf Tournee gehen. Auch Wiener Institutionen öffnen diesen Wanderausstellungen, die oftmals Nachlässe von Designern oder Architekten aufarbeiten, gerne ihre Pforten. Die Schau "Marcel Breuer - Design und Architektur“ nimmt den 30. Todestag des Gestalters zum Anlass, ihn als Erfinder des Stahlrohrmöbels ebenso wie für seine baulichen Entwürfe zu würdigen.

Der am Bauhaus in Weimar ausgebildete Designer erdachte bereits als "Jungmeister“ mit 23 Jahren ein Möbel, das heute als Klassiker gilt: Sein Stahlrohrstuhl "Wassily“ oder "B3“ war ursprünglich für die Wohnung von Wassily Kandinsky entworfen worden; angeblich soll ein neues Fahrrad Breuer auf die Idee gebracht haben. Größere Bekanntheit erlangte der Freischwinger aber erst durch die Produktion im Italien der 60er-Jahre. Stahlrohr war billig, leicht zu reinigen und ein sehr beständiges Material. Auch ohne Federung bequem, passte es perfekt zur modernen Suche nach Reduktion.

Im Jahr 1937 emigrierte Breuer in die USA, wo er mehr Erfolg als Architekt hatte. Zunächst betrieb er ein Architekturbüro gemeinsam mit Walter Gropius, machte sich aber 1946 in New York allein selbstständig. Die jetzige Retrospektive würdigt erstmals auch seine architektonischen Entwürfe ausgiebig, die sie anhand von vier Einfamilienhäusern exemplarisch aufbereitet. Den Materialien Massivholz, Stahlrohr, Aluminium und Sperrholz folgend, wird ein Überblick über Breuers Biografie als Designer gegeben. Das Ausstellungskapitel "Motive und Texturen“ arbeitet schließlich Konstanten von Breuers Formensprache heraus, die seine Möbel und seine Bauten prägen. NS

Hofmobiliendepot, ab Mi; bis 3.7.


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