Kunst

Windstille und Wirbelstürme des Lebens

Tipp

Lexikon | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

"Das Schiff Maria im Sturm“, 1892

"Golf von Neapel“, 1841

Die Meeresbilder des russischen Malers Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski sind in seinem Heimatland heiß begehrt und erzielen daher auf dem internationalen Auktionsmarkt Rekordpreise. Der 1817 in der Hafenstadt Feodossija geborene Künstler wird oft mit dem britischen Impressionistenvorläufer William Turner verglichen, denn auch seine Gemälde zeichnen flirrende Lichteffekte aus. Die beiden Künstler kannten und schätzten einander. Nun wird dem im Westen noch relativ unbekannten Russen, der ein Oeuvre von über 6000 Werken hinterlassen hat, im Bank Austria Kunstforum die Überblicksausstellung "Aiwasowski - Maler des Meeres“ gewidmet.

Wiewohl er auf unzähligen Schiffen unterwegs war, malte Aiwasowski nicht vor Ort, sondern stets aus der Erinnerung heraus. Als Hofmaler bei Nikolaus I. erhielt er ein Reisestipendium, das ihn zu den klassischen Stätten der antiken Kunst führte. Später erhob ihn der Zar zum Maler des Marinestabs; Aiwasowski erhielt den Titel eines Admirals der zaristischen Flotte und die höchsten Orden Russlands.

Marineschlachten malte Aiwasowski mit derselben Akkuratesse wie einfache Schiffe auf hoher See, Küstenstriche mit Felsbrandungen oder mondbeleuchtete Ozeane. Auch wenn seine Bilder durch ihren feinen Detailreichtum faszinieren, ging es dem Künstler weniger um eine naturalistische als um eine allegorische Darstellung. Der Ozean und die Schiffe darauf werden zum Symbol für das Leben, das der Windstille ebenso unterworfen ist wie den Stürmen. Dieses tiefschürfende Anliegen wird in Gemälden wie "Die Erschaffung der Welt“ deutlich, das ewig-schwarze Ozeane vor der Ankunft der Menschheit imaginiert. Ein Teil der Leihgaben stammt aus der Aiwasowski-Galerie in Feodossija. NS

Bank Austria Kunstforum, ab Do; bis 10.7.


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