Kunst

Weibliche Individualität von Angesicht zu Angesicht

Kritik

Lexikon | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Grelle Farbigkeit, wenig Skrupel

Zu 100 Jahren Frauentag hat die Künstlerin Eva Murauer zusammen mit Maggie Jansenberger, der Frauenbeauftragten der Stadt Graz, die Ausstellung "FACE IT! portraits“ im Stadtmuseum Graz beigesteuert und zeigt Darstellungen von Frauen, die ihr wichtig sind.

Da sind zunächst die üblichen Verdächtigen. Frauen, die man zum hundertsten Mal porträtiert findet, deren Bilder andernorts längst unhintergehbare Ikonen wurden. Marilyn zum Beispiel. Davor hat Murauer erfrischend wenig Skrupel. Die grelle Farbigkeit und sogar den Modus der Seriendarstellung übernimmt sie bei Letztgenannter. Wie sie überhaupt auch künstlerischen Konventionen mutig widersteht. Kaum findet sich ein Bild, das in der Wahl der Ausdrucksmittel, in Technik oder Stil einem zweiten gleichen würde. Jede der gezeigten Frauen ist ganz individuell gefasst.

Im Stadtmuseum knüpft die Darstellung würdigenswerter Frauen an die 2008 in der Ausstellung "Graz Portaits“ gezeigte Versammlung von Persönlichkeiten an, insofern, als der Blick Murauers sich nicht zwingend auf die Stars und Mächtigen beschränkt, sondern auch Heldinnen des Alltags einbezieht. Wie etwa die Frau Konrad, die sich nach 45 Jahren Reinigungsarbeit im Grazer Rathaus auf die wohlverdiente Pensionierung und viele Reisen freut. Murauer versetzt sie in ein poppiges Ambiente, wo sie, lässig ein Mikro statt eines Besens in der Hand, so zwang- wie fraglos selbst zum Star wird. Und nicht nur für eine Viertelstunde, wie es ihr ein Andy Warhol zugebilligt hätte.

ULRICH TRAGATSCHNIG

stadtmuseumgraz, bis 31.3.


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