Plädoyer für eine Zigarette in geselliger Runde

Moral IV: Robert Pfaller philosophiert gegen Mäßigung, Makellosigkeit und den Terror der Intimität

MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Wenn Hollywoodstars auf die Frage antworten, was ihr größter Glücksmoment war, sagen sie in der Regel: "die Geburt meines Kindes". Der Wiener Philosoph Robert Pfaller findet in seinem neuen Buch alltäglichere Beispiele: Eine Zigarette in geselliger Runde oder ein Glas Sekt bei einer Firmenfeier sind die Ereignisse, für die es sich zu leben lohnt.

Pfaller sieht sich als Materialist und beruft sich auf antike Vorbilder - etwa Epikurs "Lust des Bauches" -, um den postmodernen Idealismus zu bekämpfen. Mitte der 90er-Jahre sieht der Autor einen "Beleuchtungswechsel" um sich greifen, der den vormals als genussvoll erachteten Konsum in einem schlechten Licht erscheinen lässt: Das Rauchen gilt nicht mehr als mondäne Geste, sondern als obszönes Laster.

Alles Anrüchige soll aus dem öffentlichen Raum verschwinden. Das Menschenrecht, vom anderen nicht belästigt - und in die Luft gesprengt - zu werden, drängt den Staat in die Rolle des reglementierenden Überichs: Er erteilt Rauchverbote


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