Zwischen zwei Jobs liegt bloß der Atlantik

In seinem Roman "Brooklyn" erzählt Colm Tóibín ostentativ unaufgeregt die Geschichte einer jungen irischen Auswanderin

KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Für Emigration gibt es unterschiedliche und unterschiedlich dramatische Gründe, in der Regel aber hofft man, dass es einem "drüben" besser ergehen möge - wobei das Spektrum zwischen nüchterner Pragmatik und paradiesischen Projektionen naturgemäß breit ist. Im Falle von Eilis Lacey, die ihre südirische Heimat in Richtung New York verlässt, ist es offenbar nicht viel dramatischer, den Kontinent zu wechseln als den Arbeitsplatz.

Und im Grunde genommen ist es auch bloß ein Jobwechsel: Statt Corned Beef im Laden der mürrischen Miss Kelly verkauft sie eben Nylonstrümpfe im Geschäft von Mrs. Bartocci. Nun ist es fraglos ein Zugewinn an Glamour und Weltoffenheit, wenn Eilis Red-Fox-Strümpfe in den Farben Sepia und Coffee auch an schwarze Kundinnen verkaufen kann, aber dass es in Brooklyn ganz anders zuginge als zu Hause, verhindert schon die irische Community, in der sich Eilis bewegt - inklusive Weihnachtsfeier und Tanzabend.

Die Hitze, die Kälte, das Heimweh setzen der jungen Auswanderin


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