"Nenne es Gottes unentrinnbare Welt"

Anhand zweier verwahrlosender Brüder stellt E. L. Doctorow den Niedergang des amerikanischen Jahrhunderts dar

ERICH KLEIN | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Gedichte, heißt es, sind der Querschnitt, Erzählungen ein Längsschnitt durch die Weltsubstanz. Im Werk von E. L. Doctorow - ein Dutzend Romane, etliche Erzählund Essaybände - stellt "Homer & Langley" den längsten Schnitt dar. Das Buch stellt ein Resümee von Doctorows amerikanischen Comédies humaines dar, der jedes Genre beherrscht: Beschreibungen historischer Schlachten ebenso wie Politthriller, den Schauerroman oder die philosophische Parabel.

Das "unerhörte Ereignis", das jeder Novelle zugrunde liegen soll, ist hier die reale Geschichte der aus dem wohlhabendem New Yorker Bürgertum stammenden Brüder Homer und Langley Collyer; als die beiden 1947 starben, wurden aus ihrem Haus in Manhattan 100 Tonnen Gerümpel entsorgt

Doctorow stellt die beiden Sonderlinge nicht als Messies dar, die auch therapiert hätten werden können, sondern als Protagonisten des Untergangs einer Gesellschaft, die, anstatt zum Lichte der Vernunft zu streben, gleichsam in Platons Höhle zurücktorkelt: "Ich


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