Überschätzt: Goethe und das Zähneputzen

Entlarvend, erschütternd und erzkomisch: Matthias Zschokke mailt sich das Gewicht der Welt vom Herzen

JÖRG MAGENAU | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Die Disziplin der Kollegenschelte ist in der literarischen Zunft mit einem strengen Tabu belegt. Zwar weiß jeder, dass außer ihm selbst eigentlich keiner was taugt. Öffentlich aussprechen mag es aber niemand, weil es mit einem hohen Risiko, mit Neidunterstellung und Verbitterungsverdacht verbunden ist. Matthias Zschokke hat dieses Tabu nun gründlich gebrochen. Der 1954 in der Schweiz geborene Autor, der seit 1980 in Berlin lebt und sich doch eigentlich eher für die leiseren Töne zuständig fühlt, legt mit "Lieber Niels" ein Werk vor, in dem er auf alle Rücksichtnahme vorsätzlich verzichtet.

"Unbedingt mehr verwildern in allem, was ich tue!", lautet die entsprechende Lebens- und Schreibmaxime, und dass er es ernst damit meint, deutet bereits der Umfang von 800 Seiten an. Es handelt sich um E-Mails an den Kölner Freund Niels Höpfner aus den Jahren 2002 bis 2009. Man kann sie als eine Art Tagebuch lesen, das allerdings an ein Gegenüber adressiert ist.

Von einem Brief unterscheidet


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