Böse Märkte oder Das Märchen von der guten Gier

Wirtschaftstheorie: Joseph Vogl zeigt, warum Finanzmärkte ruinös sind und Wirtschaftstheorie zu Ideologie tendiert

ROBERT MISIK | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Das Bild, das die Wirtschaftswissenschaften von der Ökonomie zeichnen, ist eines der vollendeten Harmonie. Diese Wissenschaft ist seit jeher auch und vor allem eine große literarische Kunstform, die suggestiv zu beschreiben vermag, wie aus den erratischen Handlungen vieler eine große Ordnung entsteht, wie aus irrationalen oder nicht rationalen Impulsen Vernunft wird. An vielen Beispielen, von Adam Smith' "unsichtbarer Hand" bis zu den "Effizienzmarkttheorien" jüngerer Zeit, lässt sich das unschwer zeigen.

Da wird nachzuweisen versucht, wie Märkte zum "natürlichen Gleichgewicht" tendieren, wie das Spiel von Angebot und Nachfrage zur vernünftigen "Selbstkorrektur" führt, wie aus einem Gewirr an Zahlungen auf einer Metaebene "ideale Märkte" entstehen. Die Wirtschaftswissenschaft ist eine versöhnliche Ideologie, die uns glauben macht, das Unvernünftige würde mithilfe der großen Verwandlungsmaschine der Märkte zu Vernunft, das Amoralische zu Moral, die Selbstsucht zum allgemeinen


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