Die Suche nach dem verlorenen Vater

Mehr oder weniger autobiografisch schreiben die Söhne ihren Vätern hinterher, tragen diesen ihren Hass und ihre Liebe bis ins Grab nach

SIGRID LÖFFLER | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Über nette Väter werden keine Bücher geschrieben. Unnette Väter hingegen geben seit Abraham unendlich viele Geschichten her. Auf dem Buchmarkt scheint die Nachfrage nach unglücklichen Kindheiten unter der Herrschaft tyrannischer Väter denn auch unersättlich. Allein in diesem Frühjahr erscheinen mindestens zwei Dutzend neue Vater-Sohn-Geschichten, bei denen teils schon die Titel verraten, was Sache ist: "Im Schatten des Vaters", "Der letzte Patriarch", "Die Tränen meines Vaters", "Cevdet und seine Söhne", "Lügen über meinen Vater".

Stark ist gut, aber schwach geht auch

Um literaturtauglich zu werden, müssen Väter allerdings das Zeug zum Erzählstoff haben - nämlich Konfliktpotenzial en gros. Vater-Sohn-Beziehungen müssen kompliziert sein und möglichst die ganze Gefühlsskala abdecken, in aller Widersprüchlichkeit und aller Hassliebe. Vaterfiguren müssen schon aus dem Rahmen fallen, sonst lohnt sich' s für die Söhne nicht, sich literarisch an ihnen abzuarbeiten.

Die Väter


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