Von der Herzerkrankung zur Krankheit des Herzens

In ihrer "Herznovelle" beschäftigt sich Julya Rabinowich mit den seelischen Folgen einer erfolgreich verlaufenen Herzoperation

ALEXANDRA MILLNER | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Das Herz ist das Zentrum von allem, sagt er / ich frage mich, was mein Zentrum ist / ich habe keines / er ist stellvertretend mein Zentrum / ich sage es ihm / er nimmt das Herz aus meiner Brust / und zeigt es mir und sagt. / Das gehört Ihnen. / Und ich sage: / Das Mängelexemplar können Sie gratis zur Ansicht behalten."

Julya Rabinowich hat sich ein Herz gefasst und Variationen von Redewedungen rund um das Herz literarisch pointiert veranschaulicht: in ihrer "Herznovelle".

Die Ich-Erzählerin, eine Frau etwa Mitte dreißig, wird von ihrem Mann zur Herzoperation in das Krankenhaus begleitet. Die Operation verläuft gut, nach wenigen Wochen kann sie das Krankenhaus wieder verlassen. Sie beginnt ihre alten Lebensgewohnheiten wieder aufzunehmen, ihr hübsches Eigenheim zu pflegen, mit ihrem Mann Bernhard, einem Bankmanager, abends essen zu gehen oder Geschäftsessen für ihn und seine Kollegen auszurichten. Doch innerlich findet sie nicht mehr in ihr altes Leben zurück, fühlt sich entfremdet.


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