Fliegende Piraten und die Theorie der Moderne

Kulturgeschichte: Annette Vowinckel legt eine umfassende, aber etwas geschwätzige Geschichte der Luftpiraterie vor

STEFAN APFL | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Sie bestiegen das Flugzeug mit Samurai-Schwertern, Pistolen und Rohrbomben im Handgepäck. Der Japan-Air-Flug sollte die 131 Passagiere von Tokio nach Fukuoka bringen, doch die neun Entführer, Mitglieder der Japanischen Roten Armee, hatten ein anderes Ziel vor Augen: Pjöngjang im kommunistischen Nordkorea.

Wir schreiben den 31. März 1970. Die kubanische Revolution und der nach 1967 eskalierende Nahostkonflikt haben in den Jahren zuvor eine regelrechte Flut an Flugzeugentführungen ausgelöst. 85 waren es allein 1969. Handgepäckskontrollen sind noch nicht üblich, und das erste internationale Abkommen zur Bekämpfung von Flugterrorismus ist gerade einmal ein Jahr alt, als die Japan-Air-Maschine Kurs auf die koreanische Halbinsel nimmt und dabei Geschichte schreibt: als erste Flugzeugentführung, die live im Fernsehen übertragen wird.

Den Zusehern wird etwas geboten. Denn die zuständigen Behörden versuchen es mit einer Finte. Anstatt die Entführer nach Pjöngjang fliegen zu lassen,


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