Feuer der Vergangenheit, Wolken der Zukunft

In seinem Roman "Brenntage" bringt Michael Stavaric die Kindheit zum Leuchten, ohne dem Kitsch zu verfallen

ANJA HIRSCH | aus FALTER 10/11 vom 09.03.2011

Lange rätselt man, was die Menschen in dem Roman "Brenntage" antreibt, jedes Jahr mit geradezu religiösem Eifer Möbelstücke, Gummiwaren, Essensreste oder Matratzen in die Feuer ihrer weltabgeschiedenen Waldsiedlung zu werfen. Misten sie aus? Vertreiben sie böse Geister?

Solche Rituale markieren in jedem Fall Übergänge, in denen sich etwas verändert - oder besser: jemand. Mit dem 1972 geborenen, in Wien lebenden Autor und Übersetzer Michael Stavaric treten wir im Schein dieser lodernden Feuer aber nichtsdestotrotz sehr behutsam über die Schwelle ins Kindheitsland. Sofort scheint durch sein Erzählen eine schwingende Bewegung einzusetzen, der man sich gerne überlässt.

Der namenlose Ich-Erzähler wächst nach dem Tod seiner Mutter bei Onkel und Tante auf. Nachts schlagen Äste gegen das Haus, und in den Birken vermutet man Geister schaukeln. Tagsüber nährt die Tante die kleine Familie nach alten Rezepten mit Gerichten, die "Scheiterhaufen" heißen. Der Onkel rüstet sich fürs


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige